• Gabriel Lorenz

Kandidaten für den Nobelpreis

Aktualisiert: 10. Okt 2019

Hidden Champions gibt es nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch unter den "Weinkennern". Einige könnten sogar für den Nobelpreis nominiert werden.

Neulich bei einer der winesave-Vorführungen hatte ich einen sehr "interessanten" Besucher, der sich partout nicht von den Vorteilen von Argon und im Speziellem von winesave überzeugen ließ. Darüber später aber mehr.


Streng genommen sind diese Vorführungen tatsächlich nutzlos, weil ich das Nichts demonstrieren muss. Und das in einer sehr kurzen Zeit. Aber genau das kann man eigentlich nicht demonstrieren, weil eigentlich nichts passiert. Was winesave tun muss, ist, dass nichts passiert und der Wein eben NICHT oxidiert. Ich kann aber die Vorführung nicht über mehrere Wochen bei so einem Termin simulieren. Das ist schon logisch. So gesehen können Skeptiker durchaus Recht haben und die Vorzüge von winesave anzweifeln. Wenn jemand so argumentiert, bin ich d´accord.


Zurück zum Besucher von vorhin. Ein Herr, Ende sechzig, nach eigener Aussage recht bewandt, was Umgang mit Weinen angeht. Ich zweifle das nicht an, wie soll ich das? Er fragt mich was ich da habe. Ich erkläre, was das sei und wie es funktioniert. In der Theorie, denn würden man eine Veränderung des Weins sofort sehen oder schmecken, wäre winesave ja ein schlechtes Produkt, ergänze ich noch. Die Antwort: "Brauche ich nicht" sagt er recht ruppig. Jetzt fange ich an, über seine Wein-Kompetenz zu zweifeln, lasse mir das aber nicht anmerken und lächele leicht verlegen. "Ich habe seit vielen Jahren, nein schon seit Jahrzehnten, eine Wein-Vakuumpumpe und die funktioniert super. Ich ziehe jeden Abend die komplette Luft aus der Flasche und gut iss. Ich brauch diesen neuen Scheiß gar nicht. Das ist nur Geldmacherei", sagt er mit voller Überzeugung. Jetzt zweifle ich auch seine Physik-Kenntnisse an. Damit ich nicht lachen muss, frage ich ihn sofort bei welchen Weinen er diese Vakuumpumpe anwende. "Bei allen, die ich trinke. Ich bin schon ein wenig älter und kann nicht mehr mit meiner Frau zusammen, eine ganze Flasche am Abend trinken". Eigentlich dachte ich, dass wir jetzt anfangen, über Weine und Rebsorten fachzusimpeln. Ist aber offensichtlich nicht der Fall. Das ist sehr vernünftig, antworte ich ihm und versuche noch schnell einen Nebensatz hinzuzufügen (dass er keine ganze Flasche am Abend wegputzt), als er mir verbal dazwischen fährt und sagt "Sehen Sie, Sie geben mir Recht!"

"Ich habe seit vielen Jahren, nein schon seit Jahrzehnten, eine Wein-Vakuumpumpe und die funktioniert super. Ich ziehe jeden Abend die komplette Luft aus der Flasche und gut iss. Ich brauch diesen neuen Scheiß gar nicht. Das ist nur Geldmacherei"

Ja, was das Trinkvolumen pro Abend angehe, antworte ich. Nicht aber was das Physikalische betreffe. "Wie meinen Sie das?", fragt er. Ganz einfach, antworte ich. Vakuum mit so einer Haushaltsvakuumpumpe zu erzeugen, ist nicht möglich. Falls es der Fall wäre, wäre er selbst oder der/die Erfinder/in der Pumpe ein Kandidat für den Nobelpreis für Physik. "Sie werden jetzt aber ein wenig frech", antwortet er etwas irritiert. Ich habe lediglich im Physik- und Chemie-Unterricht in der Schule aufgepasst, antworte ich ihm mit einem leicht ironischem Lächeln. Auch wenn das schon ein paar Jahrzehnten zurückliege, füge ich noch hinzu."Mich können Sie nicht überzeugen" antwortet er.


Die Schlacht scheint verloren, ich ziehe jetzt aber meine letzte Argumentationswaffe. Die mit der Sensorik. Wenn er jeden Abend die Pumpe betätige, antworte ich, dann zieht er das ganze Aroma aus der Flasche heraus. Der Wein habe keine Nase, keine Aromen mehr, er sei schlicht tot, ergänze ich noch. "Der Wein schmeckt jeden Tag super, da ist kein Unterschied zum Vortag", antwortet er selbstbewusst.


Ich ahne es schon, dass nicht nur die Schlacht sondern der ganze Krieg verloren ist und zünde nun meine allerletzte Waffe, quasi die Atombombe unter den Fragen. Ich frage, wo er denn all seine Weine kaufe, die er immer trinke. "Bei ****, natürlich. Und die Weine sind nicht nur sehr gut sondern auch günstig. Ich habe noch nie mehr als 5 Euro für einen Wein ausgeben müssen." sagt er triumphierend.

**** Discounter-Name ist dem Autor bekannt und gehört zu den Top 2 der Lebensmittelketten in Deutschland.

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